Mit ihrem Debütalbum "Fallen Angels" stellt Sandra Rayne ein erstaunlich vielseitiges und selbstbewusstes Erstlingswerk in bester Singer-Songwriter-Tradition vor.
Die erste Platte von Sandra Rayne überrascht bereits durch ihre Entstehungsgeschichte: Einerseits sollten die Aufnahme-Sessions im Studio eines befreundeten Musikers ursprünglich nur als Demo für den Hausgebrauch dienen, entwickelten sich dann aber „aus lauter Freude am Experimentieren“ zu einem beachtlich farbenfrohen, wenn auch mit minimalem Budget produzierten Werk. Andererseits ist "Fallen Angels" im Grunde eine Folkplatte, obwohl Sandra Rayne von der Stimme her eher im Soul oder Jazz Zuhause wäre. Dass diese Mischung - ein „Unfall“, wie Rayne meint – musikalisch wie textlich durchaus zu fesseln weiss, zeigt diese CD.Die Zerbrechlichkeit des Glückes
Die 36-jährige Spätzünderin und Frau eines australischen Schafscherers vereint auf ihrem Erstling 11 Songs von erdiger Ausstrahlung. Eine Gitarre und ihre sinnlich-warme Stimme, viel mehr braucht sie dazu zunächst nicht. Tom Waits, Ella Fitzgerald, Rebekka Bakken, Etta James und Co. regten sie zu ihren jazzig angehauchten Folkmelodien an, als sie nach dem frühen Krebstod ihres Vaters die alte Gitarre aus Teenagerzeiten wieder hervornahm, um ihre Trauer zu verarbeiten. Nicht im Traum dachte die Englisch-Übersetzerin damals daran, mit ihren Songs vor Publikum aufzutreten.
Heute gibt Rayne als Inspirationsquelle für ihre Musik „Liebe, Lust und Leidenschaft, aber auch das Wissen um die Zerbrechlichkeit des Glückes“ an. Im bluesigen Song „Little Man“ zum Beispiel erzählt sie auf sensible Weise von ihrem Schmerz und Bangen, aber auch von ihrem inneren Wachsen durch ihren zweiten Sohn, der einen schwierigen Start ins Leben hatte. Die Songtexte überzeugen durch ihren ausgefeilten Sprachrhythmus, ihre Intensität und Poesie. Die Stimme der schmalen, grossgewachsenen Frau hat Volumen und Temperament: In Liedern wie „You Took Her Home“ oder „Dancing in the Rain“ umwirbelt sie den Zuhörer mit einem Facettenreichtum, den sie sich in 10 Jahren Gesangsausbildung, unter anderem bei der Schweizer Blues- und Soulsängerin Christina Jaccard und dem österreichischen Vocal Coach Robin D. erarbeitet hat. Sie und die vier kreativen Vollblutmusiker ihrer Live-Band (Dave Demuth, Kontrabass, Tobias Schmid, A-Git, David Lüthi, Perkussion, Christa Kohli, B-Voc) erschaffen ein transparent arrangiertes Klanguniversum, das in seiner minimalen akustischen Besetzung Maximales aus den Songs hervorzukitzeln vermag. Ungemein warm, sinnlich und kraftvoll.